Jugendarbeit

Kommunale Jugendarbeit Heute - Vortrags- und Diskussionsabend am 18.Januar

Etwa 40 Interessierte (Jugendliche, Stadträte, Fachleute, Elternbeiräte, Eltern) besuchten am Montagabend, 18. Januar den Vortrags- und Diskussionsabend “Kommunale Jugendarbeit Heute”. Moderatorin Stefka Huelz-Träger begrüßte neben den beiden Fachreferenten, den 2. Bürgermeister Dr. Alexander Legler, sowie Vertreter aus allen Stadtratsfraktionen. Sehr willkommen war allen die Anwesenheit von Schülervertreterinnen des Spessartgymnasiums und der Hauptschule.
In einem einleitenden Referat vermittelte Winfried Pletzer aus München, der Fachberater für ‚Kommunale Jugendpolitik’ des Bayerischen Jugendrings, Eckpunkte der Jugendarbeit. Anschließend erläuterte der Kreisjugendpfleger Klaus Spitzer die sich daraus ergebenden Handlungsempfehlungen für die kommunale Jugendarbeit in Alzenau.
Danach hatte Familientischmitglied Stefka Huelsz-Träger alle Hände voll zu tun, um die rege und egangierte Diskussion zu leiten.

Fazit ist, dass der Abend viele Informationen über Chancen und Möglichkeiten der kommunalen Jugendarbeit gegeben hat, aber auch die Erkenntnis bringt, dass noch viel zu tun ist, um dies sinnvoll umzusetzen. Ein erster Schritt kann die Benennung von Jugendbeauftragten aller Stadtratsfraktionen sein, die die Belange von Jugendlichen und Familien in Zukunft bei allen Beratungen und Beschlüssen berücksichtigen wollen. Auch war einhellige Meinung, jungen Menschen stärker Gehör zu verschaffen - eine Möglichkeit ist sicherlich, den Kontakt über die Schulen zu intensivieren. Ein Jugendzentrum könne dazu ein wichtiger Beitrag sein.

Konzept für kommunale Jugendarbeit erforderlich

In seinem Eingangsreferat erläuterte Landesjugendamtsreferent Winfried Pletzer, ausgehend von den 60er Jahren, welche Entwicklungen die kommunale Jugendarbeit erfahren hat, und welche Fakten heute noch gelten und wichtig sind.

Unerlässlich sind seiner Ansicht nach ein Konzept, wie kommunale Jugendarbeit in der Gemeinde aussehen soll, hauptamtliche Mitarbeiter und die Mitarbeit, Förderung und Unterstützung von Vereinen und Verbänden. Er betonte, dass es wichtig sei, Jugendlichen Gehör zu verschaffen und ihre Meinungen einzubeziehen. Dazu sei es auch wichtig, Räumlichkeiten für Jugendliche Treffs zur Verfügung zu stellen. Das könne ein Jugendzentrum sein, oder auch mehrere, kleine dezentrale Einrichtungen in den Ortsteilen, die jedoch von Hauptamtlichen begleitet werden müssten. Als sinnvoll erachtete er Jugendbeauftrage in den politischen Gremien, die bei allen Entscheidungen die Belange von Jugendarbeit berücksichtigen und einfordern sollten.

Pletzer konnte aufgrund seiner langjährigen Erfahrung über viele positive und auch negative Beispiele der kommunalen Jugendarbeit berichten. Während z.B. in einer wohlhabenden Region in Südbayern über hohe Kosten für Jugendhilfe geklagt würde, sei es andernorts üblich, dass sich Landrat mit Landkreis-Bürgermeistern intensiv austauschen und ihr Konzept für Jugendförderung kontinuierlich weiterentwickeln. Die Jugend- und Familienpolitik werde in Zeiten der Überalterung der Gesellschaft als wichtiger wirtschaftlicher Standortfaktor eingestuft.

 

Herr Pletzer, Landesjugendamt Bayern

 

Kinder und Jugendliche sind als “Guthaben” einer Gemeinde zu betrachten

Im Unterschied zu früher, muss heute die Vernetzung zwischen Schule und kommunaler Jugendarbeit viel stärker erfolgen, als bisher. Aufgrund von G8 und Ganztagsangeboten an der Schule sind Schüler und Schülerinnen heute sehr viel länger an den Schulen. Größere Stofffülle und Hausaufgaben tun ihr übriges. Vereinsangebote am Nachmittag können daher kaum noch wahrgenommen werden. Die Konsequenz ist daher, die Jugendarbeit auf diese veränderten zeitlichen Bedingungen der Jugendlichen einzustellen. Da Alzenau jedoch Schulstandort ist, hat hier die kommunale Jugendarbeit gute Chancen einzusetzen.

Pletzer appellierte an die Anwesenden, Jugendliche und Familien als “Guthaben” zu sehen. Denn aufgrund der demografischen Entwicklung ziehen in vielen Gegenden Bayerns junge Familien und Jugendliche und somit auch qualifizierte Arbeitskräfte weg. Jugend- und Familienarbeit muss daher das Ziel haben, den Standort, die Heimatgemeinde so attraktiv zu gestalten, dass Familien bleiben und neu zuziehen. Dazu gehört auch eine aktive Jugendarbeit.

Alzenau besitzt breitgefächertes Vereinsangebot mit guter Jugendarbeit

Der Kreisjugendpfleger Klaus Spitzer erläuterte anschließend die in Zusammenarbeit zwischen Familientisch, dem Stadtjugendpfleger Herr Frühwacht und ihm entstandenen Handlungsempfehlungen für die Jugendarbeit.

Der Familientisch hat zur Diskussionsanregung eine Handlungsempfehlung für die Jugendarbeit in Alzenau vorgelegt. Hier als Download:

Im Jahr 2006 waren in Alzenau sage und schreibe 182 Vereine registriert, woraus eine breit gefächerte Unterstützung der Jugendarbeit resultiere. Deshalb soll die städtische Jungendarbeit die gute Arbeit von Ehrenamtlichen in Vereinen und Organisationen verknüpfen und unterstützen. Durch Vernetzung sollten die bestehenden Defizite im Bereich des Erfahrungsaustausches abgebaut werden.

Für Alzenau seien kleinere und dezentrale Angebote in allen Ortsteilen mit einem zentralen Jugendzentrum in der Kernstadt sinnvoll. Eine Analyse des Bedarfes sei für eine konzeptionelle Arbeit unumgänglich, was die Einstellung eines dritten städtischen Jugendpflegers erfordere.

Spitzer, Huelz-Träger, Pletzer

Ansprechpartner für Jugendpolitik in allen Stadtratsfraktionen sollen benannt werden

Die Referate und die 90minütige Diskussion verdeutlichten die komplexe Thematik, was auch einige Mitglieder des Stadtrates sehr begrüßten. Insbesondere Schüler, aber auch Eltern, Lehrer, Schulleitungen, politisch Aktive, sowie Vereine und Verbände sollten die vorhandenen guten Möglichkeiten in der Stadt Alzenau erkennen und sich für die Verwirklichung ihrer Ziele einsetzen.

Einen Ansprechpartner für Jugendpolitik in allen Stadtratsfraktionen zu benennen fand die einhellige Zustimmung der Anwesenden. Engagierte und sachkundige Politiker können punkten, wenn sie ihren Einfluss auf politische Entscheidungen geltend machen. Bewusstsein dafür muss sich aber entwickeln, da Familien- und Jugendpolitik als reine Querschnittsaufgabe sonst zu kurz gefasst ist.

 

Es sind auch die Eltern gefordert, da Jugendliche die Freizeitmöglichkeiten und Chancen zu wenig kennen. Vereinsaktive Jugendleiter erwerben wertvolle Kompetenzen. Mit einer Bestätigung durch die Vereine haben sie Wettbewerbsvorteile um Ausbildungsplätze.

Die Öffnung der Stadtbibliothek in der Mittagszeit sei nach Hinweis einer Schülerin  sinnvoll, allerdings sollte es Möglichkeiten geben, sich unterhalten und entspannen zu können und nicht nur zu lesen. In einem städtischen Jugendtreff möglichst nah an der Schule oder Bahnhof, solle dies möglich sein.

Unter dem Aspekt vorhandener Räumlichkeiten und neuer Jugendtreffpunkte in Kälberau und Albstadt sowie den Herausforderungen für die Politik betonten Mitglieder des Familientisches die große Bedeutung für einen weiteren städtischen Jugendpfleger. Unwidersprochen blieb die Einschätzung von Familientisch-Akteuren, dass der Bedarf dafür in Alzenau vorhanden sei.

Der Wunsch nach einem städtischen Jugendzentrum, der Einstellung eines Jugendpflegers und die Zusammenarbeit mit den Schulen war der einhellige Wunsch aller Beteiligten. Zurzeit wird unter der Leitung von Susanne Rus vom Familientisch eine Fragebogenaktion erarbeitet, welche die Wünsche der Jugendlichen erfragt.

Herr Dr. Legler betonte in diesem Zusammenhang die Wichtigkeit der Zusammenarbeit mit den Jugendlichen. Sein Wunsch ist es, in den Schulen die Arbeit des Stadtrates und Stadtpolitik vorzustellen, um so gemeinsam mit den Schülerinnen und Schülern Ideen für die Jugendarbeit zu entwickeln. Er ermutigte die anwesenden Schülervertreter, ihre Interessen gegenüber den Stadtverantwortlichen zu äußern.

Die Organisatoren des Familientisches hoffen, dass die Erkenntnisse bei allen Beteiligten zum Nachdenken und zu Initiativen im eigenen Verantwortungsbereich führen werden. Sie sind offen für jegliche Mitarbeit und Unterstützung, da man negativen gesellschaftlichen Veränderungen wirkungsvoll begegnen wolle. Dafür brauchen sie nicht nur die vorhandene Unterstützung der Kommunalpolitik, sondern auch von einigen jüngere Menschen.

 

 

 

 

 

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